Der Gemeindebrief

Der jeweils aktuelle Gemeindebrief der Evang. Kirchengemeinde Isny

Hier finden Sie Näheres zum neuen Gemeindebrief vom Januar 2020 mit einem "Nachgedacht" von Pfarrer Hartmut Nitsche.

Nachgedacht

„Binde deinen Karren an einen Stern!“


Viele kennen Leonardo da Vinci als Maler und wissen, dass die lächelnde Mona Lisa von ihm stammt. Manche kennen ihn auch als genialen Erfinder und wissen, dass er Flugmaschinen, Fallschirme, Wasserturbinen und vieles andere konstruiert hat. Aber nur wenige kennen Leonardo da Vinci als Fabel- und Märchenerzähler und wissen, dass er viele kleine Geschichten und Rätselsprüche aufgeschrieben hat, z.B. diesen: „Binde deinen Karren an einen Stern!“ Mich begleitet dieser Spruch seit etlichen Jahren, denn wer sich auf dieses Wort einlässt, „Binde deinen Karren an einen Stern!“, der hat gelernt, sich am Hellen zu orientieren – an einem Stern – oder anders gesagt: „Ewiges Grübeln und Bruddeln“ gehören nicht zu den christlichen Grund-
tugenden.

Wir stehen am Anfang eines neuen Jahres und es hat nicht friedlich begonnen. Wir stehen am Anfang eines neuen Kirchengemeinderates und es gibt nicht wenige Herausforderungen.Was wird das neue Jahr für mich, meine Familie und Freunde mit sich bringen? Am Anfang des neuen Jahres sagt jetzt schon so manche Stimme, ob aus Wirtschaft, Politik oder Umwelt: „Wir sind enttäuscht!“ Ich kann nur zu Vorsicht raten: Da wo der Blick hingeht, da führt nicht selten der Weg hin. Von Friedrich Wilhelm Nietzsche stammen die Worte: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

„Binde deinen Karren an einen Stern!“ ist dagegen ein Leitsatz für alle, die den Karren nicht einfach laufen lassen wollen. Ein Programm für alle, die ihr Leben bewusst gestalten und für alle, die wissen, dass man nicht in allem selbst der leuchtende Stern – oder der Star – sein muss.

Wir sind vom Weihnachtsstern beleuchtet. „Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.“ Daran meinen „Karren“ binden, der für alles steht, was ich in diesem Jahr zu bewegen und mitzuschleppen habe; für alles, was mir an Prüfungen und Arbeit aufgeladen wird; für alles, was an Verpflichtungen und Anstrengungen auf mich zukommt. In Geschichten und Gleichnissen hat Jesus erzählt und vorgelebt, wie ein wahres Leben aussehen kann.

„Binde deinen Karren an seinen Stern!“ Weil auch wir an seiner Toleranz und Offenheit, an seiner Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit anknüpfen und uns daran orientieren. Bring das, was dir als Aufgabe in der nächsten Zeit gestellt ist, mit seinem Ziel in Verbindung. Lass dich nicht vereinnahmen von dem, was du jetzt als Ballast empfindest, sondern schau auch nach vorn und nach oben.

„Binde deinen Karren an einen Stern!“ Dann bleibt dein Karren in Bewegung.
Mach dir immer wieder bewusst, wo du hinwillst. Das wird dir helfen, auch wenn der Karren einmal verfahren ist. Wer ein großes Ziel vor Augen hat, bekommt auch Kraft und Mut für die kleinen Schritte. Aber – achte auf Dein Herz, woran Du es hängst.

„Nicht auf Lichter und Lampen kommt es an, und es liegt nicht an Mond und Sonne, sondern dass wir Augen haben, die Gottes Herrlichkeit sehen können.“ (Selma Lagerlöf). In diesem Sinne wünsche ich uns Augen, die mehr sehen, als manchmal vor Augen ist.

Das meint Ihr Klinikpfarrer aus Neutrauchburg
Hartmut Nitsche

Gemeindebrief Januar 2020 (PDF 1,1 Mb)