Der Gemeindebrief

Der jeweils aktuelle Gemeindebrief der Evang. Kirchengemeinde Isny

Hier finden Sie Näheres zum neuen Gemeindebrief vom Dezember 2020 mit einem "Nachgedacht" von Pfarrer Dietrich Oehring.

Nachgedacht

Alle Jahre wieder...

Ich glaube, es gibt kein Fest, das so sehr geprägt ist von festen Abläufen und Traditionen wie Weihnachten. In den meisten Familien folgt der Heilige Abend einem klaren Plan: Wann und wie der Baum geschmückt wird, wer für welche Vorbereitungen zuständig ist, welchen Gottesdienst man besucht, wie die Bescherung abläuft, welche Lieder man singt, was es zu Essen gibt – an keinem anderen Tag des Jahres folgen so viele Menschen dem „wie wir’s sonst auch gemacht haben“.Auch Menschen, die sonst durchaus neugierig sind, mal etwas Neues auszuprobieren – an Weihnachten schätzen sie das Gewohnte, und freuen sich in das Vertraute einzutauchen.

Alle Jahre wieder... Von wegen. Diesmal nicht. Die Corona-Pandemie erschüttert alles, und sie macht auch vor Weihnachten nicht Halt. Keine Weihnachtsmärkte, keine Adventsfeiern, keine Verwandtenbesuche zu den Feiertagen womöglich. Spätestens seit Oktober haben Politiker mit Sorge verkündet, der Winter könnte noch große Einschränkungen mit sich bringen; aber am deutlichsten wurden diese Befürchtungen mit Blick auf Weihnachten. „Es liegt an unser aller Verhalten, wie wir Weihnachten verbringen werden“ – mit dieser Mischung aus Drohung und Ermunterung hat man versucht, die Menschen vom Ernst der Lage zu überzeugen. Und dennoch ist so gut wie sicher: Weihnachten wird deutlich anders werden als in den Jahren zuvor. Als einer der ersten hat bereits der Papst einen Großteil der Weihnachtsfeierlichkeiten in Rom abgesagt, und auch in unserer württembergischen Landeskirche gibt es schon seit dem Sommer kaum ein Thema, das so heiß diskutiert wird wie: Wie werden wir an Weihnachten wohl miteinander Gottesdienste feiern können? (Was wir dazu im Moment sagen können, finden Sie im Artikel auf Seite 8.) Weihnachten wird anders – und allein diese Ankündigung macht uns, je nach Gemütslage, besorgt, traurig, ängstlich oder zornig. Was will uns dieses Virus denn noch alles nehmen?
Alle Jahre wieder... Gibt es denn nicht auch etwas, das gleichbleibt? Doch, das gibt es – und für mich ist es sogar das Entscheidende. Es bleibt die Botschaft von Weihnachten: Gott kommt zu uns. 

Gerade wenn wir Abstand voneinander halten müssen, dann kommt uns Gott besonders nahe. Gerade wenn wir Angst haben, die Kontrolle zu verlieren und allem nur noch ausgeliefert zu sein, dann zeigt sich Gott in einem Kind, das noch viel mehr allem ausgeliefert ist, und das dennoch als Herrscher der Welt begrüßt wird. Gerade wenn die Nacht am dunkelsten ist und der Weg vor uns noch so weit scheint, dann erscheint Gott mit seinem Licht und leuchtet in unser Leben. Es ist dieselbe Botschaft wie alle Jahre wieder. Aber vielleicht werden wir sie dieses Jahr besonders intensiv erleben – gerade, weil sonst so vieles anders sein wird.

Alle Jahre wieder
kommt das Christuskindauf
die Erde nieder,
wo wir Menschen sind.

Eine besondere und dennoch gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihr

Pfarrer Dietrich Oehring

Gemeindebrief Dezember 2020 (1958 kb)