Der Gemeindebrief

Der jeweils aktuelle Gemeindebrief der Evang. Kirchengemeinde Isny

Hier finden Sie Näheres zum neuen Gemeindebrief vom November 2019 mit einem "Nachgedacht" von Pfarrer Dietrich Oehring.

Nachgedacht

Leise rieselt der Schnee......still und starr ruht der See,weihnachtlich glänzet der Wald – freue dich, ‘s Christkind kommt bald!

Schnee und Weihnachten, das gehört für die Deutschen untrennbar zusammen. „Weiße Weihnachten“, womöglich sogar schon eine weiße Adventszeit – allein schon die Vorstellung löst bei Vielen ein stilles Glücksgefühl aus, ein Gefühl, dass es dann richtig perfekt wäre; alles so, wie es sein soll. Und das wird wohl auch so bleiben, selbst wenn wir ja längst wissen, dass Schnee im Dezember für die meisten Deutschen noch nie sehr wahrscheinlich war, und dass er durch den Klimawandel selbst im Allgäu zukünftig wohl immer mehr die Ausnahme sein wird.

In der biblischen Weihnachtsgeschichte hingegen kommt Schnee überhaupt nicht vor. Die Geschichte von der Geburt im Stall könnte sich auch in einer warmen Sommernacht zugetragen haben. Aber gibt es denn den Schnee überhaupt in der Bibel? Israel liegt ja weit im Süden, und da denkt man eher an Palmen, Feigen und Reben als an verschneite Tannen. Nun, das ist wahr – aber immerhin liegt Jerusalem höher als Isny, und die höchsten Berge sind höher als der Hochgrat oder der Säntis. Und insofern war und ist Schnee im Land der Bibel zwar selten, aber auch nicht völlig ungewöhnlich; tatsächlich wird er im Alten und Neuen Testament mehrfach erwähnt.

Zum einen: Schnee ist weiß. Das scheint uns selbstverständlich; aber dieses reine Weiß hat die Menschen, die noch keine künstlichen Farben kannten, immer tief beeindruckt. „Sein Kleid war weiß wie der Schnee“ heißt es in den Evangelien von dem Engel, der den Frauen am Ostermorgen erscheint, und ebenso von Jesus auf dem Berg der Verklärung. Das reine Weiß gehört nicht ganz zu dieser Welt, sondern leuchtet sozusagen schon herüber aus Gottes Welt – und in der Kirche spiegelt sich das bis heute darin, dass zu den höchsten Festen, Weihnachten und Ostern, weiße Paramente Kanzeln und Altäre schmücken.

Gleichzeitig ist der weiße Schnee aber eben auch ein Symbol für die Reinheit, für die Unschuld – „ihre Fürsten waren reiner als Schnee“ heißt es wehmütig in den Klageliedern von einer besseren Vergangenheit. Erstaunlich eigentlich, dass es dann auch das Gegenteil gibt: „Aussätzig wie Schnee“ war die Hand des Mose, als Gott ihm seine Macht zeigte – auch die Lepra, die Krankheit der Unreinheit, färbt die Haut weiß.

Zum anderen aber: Gerade weil der Schnee in Israel so selten ist, war er auch ein Symbol dafür, dass Gott unverfügbar ist, und größer als das, was wir begreifen. „Er spricht zum Schnee: Falle zur Erde.“ sagen die Freunde zu Hiob, und „Bist du gewesen, wo der Schnee herkommt?“ fragt Gott den Hiob selber. Schnee war eben nicht selbstverständlich, sondern ein Anlass zum Staunen, was Gott in seiner Allmacht alles tun kann.

Und schließlich: Eines der berühmtesten Schneezitate der Bibel steht bei Jesaja: „So wie der Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar, so soll das Wort, das aus meinem Mund geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern es wird tun, was mir gefällt, und es wird ihm gelingen, wozu ich es sende.“ Gott ist kein unbeteiligter Zuschauer für das Geschehen auf Erden, sondern er wirkt, und was er vom Himmel schickt, das hat Wirkung bei uns.

Das Aufleuchten der anderen Welt, die Reinheit, die Allmacht Gottes, sein Wirken mitten unter uns – für all das steht der Schnee in der Bibel.
Und damit wären wir am Ende nun plötzlich doch wieder bei der Weihnachtsgeschichte, die genau davon erzählt: In Jesus wirkt Gott mitten hinein in unsere manchmal dunkle Welt; er macht sie hell mit seinem Glanz; er reinigt sie von ihrer Schuld; er zeigt, wie die Mächtigen der Welt seiner Macht unterlegen sind.

So ist der Schnee, auch wenn er in der Weihnachtsgeschichte gar nicht vorkommt, doch mehr als nur eine hübsche jahreszeitliche Dekoration: Er ist ein vielschichtiges Symbol für das, auf das wir uns in der Adventszeit vorbereiten, und was wir in der Heiligen Nacht miteinander feiern werden. Freue dich, ‘s Christkind kommt bald!

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen IhrPfarrer Dietrich Ohring

Gemeindebrief November 2019 (1150 kb)