Der Gemeindebrief

Der jeweils aktuelle Gemeindebrief der Evang. Kirchengemeinde Isny

Hier finden Sie Näheres zum neuen Gemeindebrief vom Juni 2019 mit einem "Nachgedacht" von Pfarrer Michael Mitt.

Nachgedacht

3. Mai 2019

Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse und sprengt ihren Kreditrahmen. Alle natürlichen Ressourcen, die wir in Deutschland 2019 verbraucht haben, kann die Erde in diesem Jahr nicht mehr regenerieren. Im Klartext: Seit dem 3. Mai 2019 leben Sie und ich auf Kosten unserer Kinder und Enkel.„Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ – das steht schon in der Bibel. Aber es hilft nichts: Wir müssen jetzt uns und anderen mit harten Gesetzen und Strafen aufhelfen. Die Zeit der freundlichen Appelle ist nutzlos verstrichen. Und das ist nicht erst durch die protestierenden Schüler bei den „Friday for future“-Protesten deutlich geworden.Da war der letzte Sommer mit seinen ungewöhnlichen Temparaturen; da erreichen uns Bilder von unvorstellbaren Naturkatastrophen; da lesen wir vom Artensterben und regen uns über die Diskussion über die CO2-Steuer auf. Wie viele Stoppschilder wollen wir eigentlich noch überfahren? All die Bilder und Nachrichten, die uns erreichen, sagen uns doch: bis hierher und nicht weiter. Und langsam dämmert‘s auch dem Letzten: Wir verderben unsere Natur, unsere Lebensmittel. Wir müssten verrückt sein, wenn wir jetzt nicht handeln.Ja, es war bequem und billig, unseren Müll günstig zu entsorgen. Aber das Meer, um nur ein Beispiel zu nennen, kann nicht Speisekammer, Badezimmer und Mülleimer zugleich sein.Und die Politiker*innen? Sie schonen uns – in der Regel. Trauen sich nicht, die Wahrheit zu sagen. Und schon gar nicht, Gesetze und Verordnungen zu erlassen, die uns weh tun. Wollen sie doch so gerne wieder gewählt werden. Und zu lange haben wir ihnen gerne geglaubt – obwohl es alle besser wussten. Jetzt ist das Volk weiter. Nicht alle. Aber die Jugend mit ihren Protesten.Und wer jetzt noch alles als halb so schlimm darstellt, wird schuldig. Die Zeiten sind endgültig vorbei, wo wir permanent auf Kosten anderer leben konnten: auf Kosten der Natur genauso wie auf Kosten der Menschen in Afrika oder Asien. Jetzt wissen wir: wir leben auf Kosten unserer Kinder und Enkel.Vor allem wir Bewohner der westlichen Industrienationen benötigen vergleichsweise viele Ressourcen, um unseren Lebensstil zu wahren. Wir belasten die Erde stärker, als wir das rein rechnerisch dürften: Entsprechend würden nach Angaben des „Global Footprint Network“ eigentlich 1,6 Planeten benötigt, um den Rohstoffverbrauch auf der Erde zu decken.Und freiwillig werden wir das nicht schaffen; zu lange braucht ein Umdenken, auch bei mir: beim Autofahren, beim täglichen Einkauf, beim Aufdrehen des Heizkörpers. Und deshalb brauchen wir eine CO2-Steuer genauso wie Tempo 30 in Isny. Und wer nach Malaga in Urlaub fliegt – soll das tun. Aber er muss es jetzt bezahlen, denn der Flug verbraucht 50 % des CO2, das ihm für ein ganzes Jahr zusteht, haben Wissenschaftler ausgerechnet. Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung war lange Zeit eines der großen Themen der Kirche. Aber das Thema führte ein Nischendasein in Umweltgruppen und Friedenskreisen. Das ist anders geworden. Es geht uns alle an und viele haben es längst begriffen.Und das ist die gute Nachricht.Das meint Ihr Michael Mitt, Klinikpfarrer

Gemeindebrief Juni 2019 (1032 kb)