Paul Fagius

 

Erzieher, Pfarrer, Gelehrter und Reformator
 
Die evangelische Kirchengemeinde Isny gedenkt des 500. Geburtstages von Paul Fagius, eines Mannes, der die Geschichte der Gemeinde und die oberdeutsche Reformation wesentlich mitbestimmt hat

 

Sehr ernst schaut er aus und würdig, ein - wie ein Zeitgenosse schreibt - "langer, ernsthafter und doch dabey freundlicher Mann von schwartzlichtem Angesicht" (- nun ja, es ist von einem schwarzen Vollbart verdunkelt..). Man trifft auf ihn, wenn man im ehemaligen Isnyer Spital, dem jetzigen Gemeindehaus, das nach ihm benannt ist, die Treppen zu den Gemeinderäumen im 2. Stock hinaufgestiegen ist. Dort hängt im Flur sein lebensgroßes Porträt. Wer war dieser Mann, der nicht nur für Isny große Bedeutung hatte (und der jetzt noch regelmäßig Post bekommt - ein Wangener Gartenbauunternehmen schickt seit Jahren treu Briefe an die Adresse: Paul Fagius jun., Weißlandstr. 21 ...)?


Vor einem halben Jahrtausend, im Jahr 1504 ist Paul Büchlin im pfälzischen Rheinzabern geboren. Sein Geburtstag ist nicht bekannt, aber wenn er - wie damals üblich - am 29. Juni, seinem Namenstag, getauft wurde, wird er Ende Juni geboren sein. Seine Eltern, der Vater ist Ratsschreiber des Städtchens und Lehrer, der seinen Sohn schon früh Latein lehrt, die Mutter stammt aus einer angesehenen Heidelberger Familie, ermöglichen - obwohl nicht gerade wohlhabend - ihrem begabten Sohn das Studium in Heidelberg. Er besucht dort ab 1515 zunächst eine vorbereitende Schule - der Junge ist schließlich erst 11. Als 17jähriger legt der Student sein Baccalaureatsexamen ab. Ab dieser Zeit verwendet er die latinisierte Form seines Namens: Paulus Fagius (kleine Buche).

Zu seinen Lehrern in Heidelberg gehören Johannes Brenz und Martin Bucer.
Der 13 Jahre ältere Bucer wird zu Fagius' Freund und lebenslangem Weggefährten. Er ist es auch, der dem für Hebräisch, "die heilige Sprache des Alten Testaments" ungewöhnlich begabten Fagius den Rat gibt, sein Hebräisch-Studium in Straßburg fortzusetzen. Von 1522 an vertieft Fagius dort die Kenntnisse der Sprache bei dem Hebraisten Wolfgang Capito und ist gleichzeitig als Lehrer tätig. Er muss übrigens ein begeisterter und begnadeter Pädagoge gewesen sein, denn er hat Zeit seines Lebens und neben allen anderen Aufgaben, Kinder und Jugendliche unterrichtet. Und jedes Mal wird ihm bescheinigt, er sei ein hervorragender Lehrer der Jugend.


1527 wird ihm durch Vermittlung Bucers und des Konstanzer Reformators Ambrosius Blarer, der auch in Isny gewirkt hat, die Rektorenstelle der Lateinschule in Isny übertragen. Wobei aber auch berichtet wird, dass er "armutshalber und weil gelehrte leut in geringer achtung gewesen" dieses Amt übernommen habe. Fagius heiratet hier noch im gleichen Jahr die Isnyerin Agnes Buchbaum. Vier Kinder kommen zur Familie; einer ihrer Nachkommen, die sich dann wieder Büchelin nannten, war übrigens bis vor wenigen Jahren Pfarrer im Badischen.
 
   
   
Der junge Schulrektor macht sich gut in seinem Isnyer Amt, worin er sich, wie berichtet wird, "durch Gewissenhaftigkeit und alle Tugenden bewährte." Auch im kirchlichen Leben seiner neuen Heimat engagiert er sich: 1528 vertritt er Isny auf dem Religionsgespräch in Bern. Er lernt dort Huldrych Zwingli kennen, mit dem er von da an in stetem Kontakt bleibt. Ebenso ist Fagius daran beteiligt, dass Isny 1529 sich der Protestation in Speyer anschließt und 1531 dem Schmalkaldischen Bund beitritt.

Ende 1535 schicken die Isnyer Fagius auf Empfehlung Bucers nach Straßburg, damit er dort seine theologische Ausbildung vollendet. Sie möchten gerne, dass er ihr Pfarrer wird. In dem Isnyer Handelsherrn Peter Buffler hat Fagius einen großzügigen Gönner, der ihn dabei mit allen Mitteln unterstützt.
Von 1538 bis 1543 wirkt Fagius nun als Pfarrer in der Isnyer Gemeinde. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer ist er ein sehr engagierter Prediger und Seelsorger. Das zeigt sich etwa, als 1542 in Isny die Pest wütet und die reichen Bürger aus Angst vor Ansteckung sich aus der Stadt absetzen wollen. Er ermahnt und belehrt sie eindringlich, "wie dieses feige Ausreißen gegen alle christliche Liebe und Menschlichkeit verstoße." Viele folgen darauf seiner Mahnung und seinem Beispiel und bleiben in der Stadt. Die wenigen, die doch fliehen, bewegt Fagius dazu, großzügige Spenden für die Kranken und die Familien der Verstorbenen zu hinterlassen. Er selber besucht, entgegen den geltenden Verboten, die Kranken und bringt zudem eine Spendenaktion in Gang, mit deren überwältigendem Ergebnis ein Kranken- und Pfründehaus errichtet werden kann.


Die große Leidenschaft des Lehrers, Pfarrers, Reformators und späteren Professors aber ist die heilige Sprache, Hebräisch. Dabei ist sein großes Anliegen, dass man in der Kirche die Heilige Schrift - nicht nur das Neue Testament, sondern auch das hebräische Alte Testament - in ihrem ursprünglichen Wortlaut kennen sollte. Es ist damals nicht üblich, dass Pfarrer und Theologen die Bibel im Urtext lesen und erforschen können. So macht Fagius es sich zur Aufgabe, junge Menschen, vor allem angehende Theologen, Hebräisch zu lehren und unter seinen Kollegen für das Studium der Sprache zu werben. Sein Erkenntnisinteresse gilt aber nicht nur den Schriften des Alten Testaments. Er beschäftigt sich auch mit dem übrigen hebräischen Schrifttum, vor allem den Werken der Rabbiner, die sich mit der Auslegung der Heiligen Schrift befassen.

 

 

 

 

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Zum 2. Teil der Biografie von Paul Fagius
Paul Fagius II
 
3. Teil und Schluss der Biografie
Paul Fagius III

   
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