Der Gemeindebrief
Der jeweils aktuelle Gemeindebrief der Evang. Kirchengemeinde Isny
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Gemeindebrief vom Januar 2012 mit einem "
Nachgedacht" von Klinikseelsorger Manfred Scheffeck
Titel Gemeindebrief Januar 2012
Nachgedacht
Jahreslosung 2012:
Jesus Christus spricht:
"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig"
(2. Korinther 12, 9)
Das Foto mit dem "geparkten" Rollator wurde vor der Lukaskirche in Neutrauchburg aufgenommen. Eine Gehhilfe, wie man sie in den letzten Jahren zunehmend in unseren Städten und Dörfern sieht. Ein sehr praktisches Gerät, durch das viele gehbehinderte Menschen ein Stück verloren gegangene Freiheit und Selbstständigkeit wieder erlangen können.
Einmal hatte mir eine Frau über die Straße hinweg scherzhaft zugerufen, sie sei wieder mal mit ihrem "Senioren-Porsche" unterwegs. Humor ist ja bekanntlich, "wenn man trotzdem lacht". Hinter dem "trotzdem" verbergen sich in diesem Fall bittere Erfahrungen: Wenn ich nach einem Unfall oder einer Operation meine Wohnung nicht mehr aus eigener Kraft verlassen kann, so dass ich jemand bitten muss, alltägliche Besorgungen für mich zu erledigen. Oder nicht mehr selbst Auto fahren können. Die Freundin nicht mehr spontan besuchen zu können. Oder eben sonntags nicht mehr problemlos zum Gottesdienst zu kommen.
Bisher stand man mit beiden Beinen fest auf dem Boden und hatte sein Leben im Griff. Und nun: ein Mensch, für den gesorgt werden muss. Ein Leben lang stark - jetzt ziemlich schwach und auf viel Hilfe von anderen angewiesen. Eine Situation, die nicht leicht zu verkraften und zu bewältigen ist. Es ist schwer, sich einzugestehen, dass man nicht mehr zu den Starken gehört. Nicht mehr mithalten können, gerade in einer Zeit, die so sehr von einem Glauben an Leistung, Erfolg und Geld bestimmt ist.
Aus den Worten der biblischen Jahreslosung für 2012 spricht ein ganz anderer Glaube. Aus ihnen vernehmen wir nicht die gnadenlose Sprache unserer heutigen Wettbewerbsgesellschaft, in der vor allem die Starken und die Sieger im Scheinwerferlicht stehen.
"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" - das sind Worte des Jesus von Nazareth, der sich immer ganz besonders den Schwachen zugewandt hat, den Kranken, den Gefangenen, den ungerecht Behandelten. Denen im Dunkeln, die man nicht sieht oder nicht sehen will. Aber genau diese wollte er immer ermutigen und aufrichten und hat ihnen neue Lebenskraft, Lebensmut und Lebensqualität geschenkt.
In diesem Sinne sind die Worte der Jahreslosung von den Starken und Gewinnern unserer Zeit vor allem als Mahnung zu mehr Mitmenschlichkeit zu verstehen. Und für die Menschen, die Schweres in ihrem Leben zu bewältigen haben, sind sie eine Quelle der Kraft und der Ermutigung.
Manfred Scheffeck
Klinikseelsorger an den Waldburg-Zeil-Kliniken in Neutrauchburg
Die komplette aktuelle Ausgabe des Gemeindebriefs können Sie sich hier (im PDF-Format) herunterladen.
Gemeindebrief Januar 2012
(PDF 612 KB)