09.03.2010
Manfred Fischer gestorben
Früherer Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll starb nach langer Krankheit
Stuttgart. Der frühere Geschäftsführende Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll, Manfred Fischer, ist tot. Er starb am Montag nach langer Krankheit.
Manfred Fischer fühlte sich als Theologe der ökumenischen Leitidee „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ verpflichtet, die er auch als Richtmaß seiner Leitungstätigkeit in der Akademie verstand. Dies wurde erkennbar in zahlreichen Stellungnahmen, mit denen er sich u. a. zur Friedens- und Umweltbewegung äußerte. Kurz nach seinem Amtsantritt 1988 in Bad Boll sagte er, „praktischer Materialismus“ sei die vorherrschende Weltanschauung in der Bundesrepublik. Die Welt sei zum „Selbstbedienungsladen“ und der Mensch zum „hochspezialisierten Egoisten“ verkommen“. Besonders setzte er sich dafür ein, Gesprächsfähigkeit zu erhalten und im Dialog Lösungen für Probleme in der Gesellschaft zu suchen.
"Manfred Fischer hat in seiner Zeit als Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll darauf hingewirkt, dass in einer auseinanderstrebenden Gesellschaft Brücken gebaut werden“, sagte der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July zum Tod von Manfred Fischer. Seine Liebe zur Sprache habe ihm geholfen, Menschen aus unterschiedlichen Milieus miteinander ins Gespräch zu bringen. „Dabei hat er seine eigene theologische Position und sein Engagement deutlich vertreten: Der öffentliche Anspruch des Evangeliums muss unüberhörbar in einer Gesellschaft wahrzunehmen sein", so July.
Der geschäftsführende Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll, Joachim L. Beck, betont die Sprachmächtigkeit seines Vorgängers, mit der er theologische und gesellschaftspolitische Fragestellungen in Beziehung setzte. „Als feinsinniger und engagierter Theologe begleitete er wachsam gesellschaftliche Entwicklungen und unterstützte Menschen, die Verantwortung in Wirtschaft, Politik und Verwaltung tragen“, sagte Beck. Manfred Fischer habe Frömmigkeit und Weltverantwortung in überzeugender und ansteckender Weise gelebt. In der Evangelischen Akademie Bad Boll war er im Direktorenteam verantwortlich für Strukturveränderungen in den neunziger Jahren, in deren Verlauf die regionalisierte Arbeit der Evangelischen Akademie Bad Boll reduziert und die diskursiven Elemente am Standort Bad Boll konzentriert wurden.
Manfred Fischer wurde 1933 in Königsberg geboren. Nach seinem Theologiestudium war er zunächst Pfarrer für landeskirchliche Schülerarbeit, ab 1967 Gemeindepfarrer in Stuttgart-Hohenheim. Ab 1980 gehörte Fischer, neben Günther Metzger und Christoph Bausch, dem damals dreiköpfigen Direktorium der Evangelischen Akademie Bad Boll an. Zum Geschäftsführenden Direktor der Akademie wurde er dann 1988 berufen. Er füllte das Amt bis zu seinem Ruhestand 1996 aus. Die letzten Lebensjahre von Manfred Fischer waren geprägt durch die Alzheimer Erkrankung.
Ihrem Selbstverständnis nach ermutigt die Evangelische Akademie Bad Boll zu zivilgesellschaftlichem Engagement, ökologischem und solidarischem Handeln. Sie begleitet Veränderungsprozesse und stärkt Menschen in ihrer Verantwortung. Mit ihren Tagungen will sie kontroverse Standpunkte klären und ethische Reflexionen im Geiste protestantischer Freiheit anregen. Als Haus der Evangelischen Landeskirche in Württemberg veranstaltet sie jährlich etwa 250 Tagungen. In ihrem Wirtschaften richtet sich die Evangelische Akademie Bad Boll nach Kriterien der Nachhaltigkeit.
Die Akademie war im September 1945 als erste Evangelische Akademie in Deutschland als „Antwort auf die Zerstörung des Geistes und den Vertrauensbruch staatlicher Macht während der Zeit des Nationalsozialismus“ gegründet worden.
Ein druckfähiges Foto von Manfred Fischer gibt es im Internet
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